Transvesubienne 2015

Transvesubienne 2015

created by Christian Pötzsch • Categories: Wettkämpfe

Pfingsten 2015 bin ich zum ersten Mal an der Transvesubienne in Südfrankreich gestartet. Die Transvesubienne führt vom La Colmiane über die Seealpen hinunter an die Strandpromenade von Nizza. Dabei verläuft die Strecke über knapp 100 km 3500hm aufwärts und ca. 5000hm abwärts und ist als eines der härtesten Enduro Bikerennen bekannt. Ich war im Vorfeld extrem gespannt was mich auf der Strecke erwartet und kann nur sagen das es so ziemlich alles übertroffen hat.

 

Die Anreise am Freitag vor Pfingsten gestaltete sich wie erwartet recht zäh und ich machte einen Zwischenstopp in Italien. Somit konnte ich am Samstag Morgen einen guten Espresso trinken und die Reise zum La Colmiane fortsetzen. Beeindruckt von der Gegend und der Landschaft erreichte ich gegen Mittag die Touristen-Info und holte meine Unterlagen. Als sogenannter Challenger (Erststarter) wird man bei der Transvesubienne generell im zweiten Startblock aufgestellt und startet 15 Minuten hinter der Performer Startgruppe. Meine hohe Startnummer 457 am Rad montiert, drehte ich noch eine kleine Runde um mir den Skihang anzusehen, den es am Sonntag morgen als erste Abfahrt zum Frühstück gab. Der Rest vom Tag galt der Regeneration und der Material Vorbereitung. Gegen Abend löste sich langsam die Aufregung und Anspannung der letzten Tage und ich war guter Hoffnung halbwegs zu schlafen, lange musste ich ja nicht…

 

Sonntag 5 Uhr klingelt der Wecker und das Erlebnis Transvesubienne kann los gehen. Am Morgen hatte es in den Bergen nur 2 Grad und ich klapperte mich während des Frühstückens schonmal etwas warm. Noch einmal Luftdruck checken und ab ging es zum Checkin.

 6:15 Uhr Rennstart Challengers, Massenstart von über 250 Startern direkt in den Skihang, was ein Spass!

Nach der ersten kurzen Abfahrt, ging es dann aber gleich ans Eingemachte und die Strecke erschloss sich über den Skihang hinauf zum Pic de la Colmiane. Mein Problem war, das mit einem Schlag ca. 200 Fahrer vor mir gefühlt stehen blieben und einige auch mit den losen Steinen im Hang nicht klar kamen und direkt umkippten. Ich entschloss mich für den etwas längeren Weg und konnte mich somit an einem grossen Teil des Feldes vorbei schlängeln. Bis zum Pic de la Colmiane hatte ich noch ca. 25 Fahrer vor mir und die ganze Situation entspannte sich etwas.

Nach dem Skigebiet führte die Strecke teils entlang des „Grande Traversée des Alpes“ GR5 Weitwanderweg – Ein alpiner Wanderweg wie man ihn sich vorstellt. Entsprechend dauerte aus nicht lang bis ich das Bike das erste mal über Felsen und Geröll schieben bzw. tragen musste.

Nach zwei Stunden war es dann soweit, dass ich das Bike tatsächlich schultern musste. Der Weg bestand nur noch aus felsigen Stufen und an fahren war nicht im entferntesten zu denken. Entschädigt hat dafür der Ausblick über die Seealpen!

Nachdem der erste Aufstieg geschaft war, ging es in die erste lange Abfahrt. Schon am Höhenprofil konnte man das Gefälle erahnen und sich grob vorstellen was da kommt, dachte ich… Kurz zusammengefasst folgte eine brutale Abfahrt mit abfallenden hängen, vielen kantigen Felsen und losen Steinen und Steinplatten sowie unzählige Switchbacks. Und was ich in Mollau schon feststellte, wenn die französischen Biker Switchback schreiben, dann meinen sie auch wirklich eine Switchback. Extrem eng und anspruchsvoll das ganze. An vielen Stellen hätte ich mir definitv meine Enduroschuhe anstatt der Marathonschuhe gewunscht. Höchste Gefahr das Sprunggelenk umzuknicken in den grossen und losen Steinen.

Die ersten 30 Km waren ein Rennen für sich!

Nachdem ich kurz die Hoffnung pflegte, dass es jetzt etwas rythmischer wird, hatte ich mein Bike schon wieder auf der Schulter und es ging die nächste Rampe nach oben. So zog sich das Rennen bis nach Nizza, eine Mischung aus brutalem Trail bergauf wie bergab und einer „kleinen“ Wanderung mit dem Bike auf der Schulter.

Für mich hatte ich zur Vorbereitung im Kopf, dass die letzten 15 Kilometer bis Nizza im flachen Gelände verlaufen und der Boden sicher eine Mischung aus Sand und Erde oder sowas ist…. auch hier nur Steine und Fels, diesmal aber wenigstens in einer ziemlich coolen Tonfarbe.

 

 

Ich war extrem froh, dass ich für das Rennen zum ersten Mal ein tubless system auf das Rad aufgezogen habe.

In Nizza, führte die Strecke noch entlang bzw. durch den Fluss bis an die Strandpromende, an der das Wasser ein letztes mal gekreuzt werden musste und man von zahlreichen Zuschauern im Ziel empfangen wurde.

 

Am meisten fertig gemacht hat mich die Beschaffenheit der Strecke, ich hätte bei weitem nicht gedacht, das auf 93km in Richtung Meer soviel Steinzeug rum liegen kann. Entsprechend war jeder Meter der Strecke mit voller Konzentration verbunden. Vor allem auch da neben dem Weg oft einfach 50 Meter tief nichts mehr war. Verbremsen oder Kurve nicht treffen – absolut keine Option!

 

Ein Tipp ist sicher, stabile Schuhe für das Rennen zu nutzen, ich hatte mich für meine Spezialized Cross Country Schuhe entschieden und wäre oft froh gewesen meine 5.10 Enduro Schuhe zu haben. Einfach aus dem Grund, das ich oft weg geknickt bin und mir einen stabileren Stand gewünscht hätte.

Ich würde das Rennen auch definitv nicht ohne Tublesssystem fahren, ich hätte 5 Hände gebraucht um alle zu zählen, die ich habe pumpen sehen.

 

Jetzt geht es an die Vorbereitung für das nächste Rennen, dass wieder vor meiner Haustür statt findet.

 

Sportliche Grüsse Christian

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