Swissman 2017

Swissman 2017

created by Christian Pötzsch • Categories: Wettkämpfe

Am 20.November 2016 gegen 21Uhr summt mein Telefon mit einer neuen Mail. "Congratulations! You are in for the SWISSMAN Xtreme Triathlon 2017!!!". Wahnsinn! - Ich habe nach meiner Anmeldung im Losverfahren einen der 250 Startplätze für die Austragung 2017 bekommen.

Damit begann Ende November meine Vorbereitung für den Point to Point Triathlon von den Brissago Inseln im Lago Maggiore über die Alpen hinauf zur kleinen Scheidegg am Fusse von Eiger, Mönch und Jungfrau.

Mit ordentlich Respekt vor dieser Herausforderung ging es über den Jahreswechsel und den Winter vor allem darum, weiter am Laufen zu arbeiten und auch das Schwimmen zu optimieren. Mit der neuen Möglichkeit, meine Schwimmtechnik über Videoaufnahmen zu analysieren und zu optimieren hatte ich im Frühjahr das Gefühl einen grossen Sprung gemacht zu haben. Auch beim Laufen ging es nach und nach voran und ab Januar lief ich zunehmend auch im Gelände um Höhenmeter zu sammeln und einige Treppenstufen hinauf zu laufen. Meine Vorbereitung auf dem Rad habe ich wie in den vergangenen Jahren gestaltet und bis Ende Februar meine Zeit für Schwimmen und Laufen investiert. Das letzte viertel Jahr bis zum Swissman musste ich mein Training sehr flexibel gestalten und auf die ein und andere Einheit verzichten um mehr Zeit in meine Firma stecken zu können. Insgesamt entwickelte sich meine Form im Training und auch in den Wettkämpfen in der ersten Jahreshälfte 2017 aber super.

Nach 7 Monaten Vorbereitung, Nervosität, Anspannung und Vorfreude war es am vergangenen Wochenende soweit und der Start beim Swissman 2017 stand bevor. Mit der gemeinsamen Anreise mit meinem Supporter Rolf sowie Fränzi und ihrem Supporter Hebi begann am Freitagmorgen das Abenteuer, dass mir sehr lange in Erinnerung bleiben wird. In Ascona angekommen spürte man vor Ort bei der Startnummernausgabe und dem anschliessenden Briefing das Herzblut, dass die Swissman Crew in dieses Event investiert und investiert hat. Persönlich per Handschlag begrüsst betrat man die Sporthalle in der man alle Unterlagen erhielt und einige bekannte Gesichter sah. Im Anschluss an das Briefing ging es in das Hotel und ich versuchte noch ein bisschen zur Ruhe zu kommen und im Pool ein wenig Abkühlung zu bekommen, denn die folgende Nacht sollte sehr kurz werden.

Samstag 2 Uhr in der Nacht klingelte der Wecker, was eigentlich gar nicht so schlimm war, da ich vor Aufregung und Wärme eh nicht schlafen konnte. Nach einem ordentlichen Frühstück hiess es Sachen packen und auf Richtung Wechselzone. Gegen 3Uhr30min war das Rad deponiert und wir machten uns auf den Weg zum Schiff das die Starter von Ascona auf die Brissago Inseln brachte. Kurz nach 4 Uhr startete die Überfahrt und meine Nervosität erreicht ihren Gipfel. An den Brissago Inseln angekommen, hatte wir noch ein bisschen Zeit in den mit 22 Grad angenehm warmen See zu kommen. Da der Start im Wasser war, mussten wir von der Insel ein paar Meter zur Startlinie schwimmen und meine Nervosität legte sich ein bisschen. Ziemlich genau 5 Uhr erleuchtet am Strand in Ascona das Sturmlicht und wir bekamen unseren einzigen Orientierungspunkt für die folgenden 3800m durch den Lago Maggiore. Kurz darauf viel mit dem läuten der Schweizer Kuhglocken der Startschuss zum Swissman 2017.

Ohne Gedränge und sportlich Fair ging es Richtung Ascona. Ich habe mich in der Dämmerung sehr gut an dem Sturmlicht orientieren können und auf den ersten 200m eine für mich direkte Linie eingeschlagen. Nach gefühlt 400m war ich ziemlich alleine und sah rechts von mir eine grössere Gruppe. Allerdings war diese schon ca. 20-30m von mir entfernt. Also entschied ich mich meine Linie weiter zu schwimmen. Als ich nach einer Weile immer noch niemanden um mich herum hatte musste ich dann doch einige Zwischenzüge auf Sicht machen und mich vergewissern, dass ich auf dem richtigen Kurs bin. Nachdem ich etwas versetzt Ca. 100m vor mir eine Gruppe gesehen habe und mir auch sicher war, dass es das richtige Licht ist, setzte ich mein recht "einsames" Schwimmen fort. Ohne Bojen und nur mit einem einzigen Licht als Orientierung war ich sehr froh darüber, dass ich mich mittlerweile im Wasser wieder so wohl fühle, dass ich eine Übersicht habe und das Rennen lesen kann. Nachdem ich zwischen km 1 und 2 den Eindruck hatte, dass sich an der Distanz zum Land nichts geändert hat, kamen auf den letzten 500m die Athleten langsam wieder zusammen und der Ausstieg rückte auch optisch näher. Als ich im hüfttiefen Wasser aufhörte zu schwimmen und mich aufstellte, habe ich mich umgedreht und zu der Insel zurück geschaut. Ein unvergessliches Bild wie die Insel im Sonnenaufgang zu sehen war. Die nächste Überraschung stand auf meiner Uhr, 59min und knapp 30sek. Ich stoppte den Tracker und dachte wow! Bin ich tatsächlich unter 60min geschwommen? Ich war so erstaunt, dass ich auf dem Rad erst die Datei auslesen musste ob die Strecke tatsächlich 3800m lang war. 3873m - 59min 29sek - es stimmt!

Der nächste Streckenabschnitt führte mit dem Rad von Ascona über Biasca, Airolo, die Tremola hinauf zum Gotthardpass weiter über den Furka- und Grimselpass nach Brienz zur zweiten Wechselzone. Auf den ersten Kilometern habe ich das Tempo bewusst niedrig gehalten und mir ein Pulslimit gesetzt über das ich nicht hinaus gehen wollte. Ich nutze die Zeit bis zum ersten Anstieg um mich vernünftig zu verpflegen und so zu sagen etwas zu Frühstücken. Nach der ersten Supporterzone, in der ich von Rolf neue Getränke und Essen bekam, ging es in den ersten Aufstieg zum Gotthardpass. Mir ging es sehr gut und ich konnte einen angenehmen Rhythmus bis auf den Pass treten. Kurz nach 10Uhr erreichte ich den Pass und konnte mich Wiederrum bei meinem Supporter verpflegen. Die Abfahrt nach Hospental war letztlich kürzer als gedacht und ich war nach 5 Minuten am Abzweig nach Realp. Da ich den Furkapass im Training von Zug aus einmal gefahren bin, wusste ich wie ich die nächsten 12 KM angehe und was mich erwartet. Nach knapp einem Drittel der Strecke habe ich jedoch Mühe bekommen meine Trittfrequenz zu halten und konnte nicht mehr die Kraft auf das Pedal bringen wie ich es mir vorstellte. Ich habe direkt noch einmal was gegessen da ich annahm, es könnte daran liegen. Die Beine wurden jedoch nicht mehr besser. Somit begann für den Rest des Passes ein ziemliches Gewürge mit meiner Übersetzung den Pass hinauf zu kommen. Oben angekommen suchte ich etwas Abkühlung im Schatten und habe noch einmal ordentlich gegessen. Auf der Abfahrt vom Furkapass versuchte ich mich zu erholen um am Grimselpass wieder meinen Rhythmus treten zu können. Aber auch am nächsten Pass gingen die Beine nicht mehr wie gedacht. Mit niedrigem Puls und wenig Kraft auf dem Pedal habe ich die Situation genommen wie sie ist und das herrliche Bergpanorama genossen und die Reste vom Gletscher bestaunt. Nach dem Grimselpass ging es mit etwas Verzögerung durch einen Unfall auf der Passstrasse weiter in Richtung Wechselzone 2. Da mein Supporter den Unfall mit dem Auto nicht passieren konnte. Habe ich auf die letzten 30 Kilometer meinen Rucksack mit meinen Laufschuhen mitgenommen um den letzten Abschnitt unter die Sohlen nehmen zu können. Nach etwas weniger als 8 Stunden auf dem Rad ging es auf den abschliessenden Lauf.

Die Strecke führte von Brienz entlang dem Brienzersee Richtung Böningen und dann nach Grindelwald. Nach dem Wechsel ging es in eine sehr steile Passage die ich zuerst gehender weise bewältigen musste. Auch in den folgenden eher flachen Passagen musste ich immer wieder zwischen einem lockeren Joggen und Gehen wechseln. Die Beine spielten nicht so mit, wie ich es mir dachte. Da mein Supporter immer noch im Verkehr steckte habe ich mich über die Hälfte der Strecke mit Wasser aus Brunnen und den Gels die ich eingepackt hatte versorgt. Die Gelegenheiten an den Brunnen habe ich auch genutzt um mich mit dem eiskalten Wasser abzukühlen. Die Hitze auf dem Rad und beim Laufen hat mir recht zu schaffen gemacht. Nach ca. 3,5 Stunden Laufen und 24km habe ich Rolf zum ersten mal wieder gesehen und mir am Auto etwas Verpflegung geholt. Von der Säumertaverne hinauf nach Grindelwald galt es wieder einige Höhenmeter zu überwinden. In den Bergaufpassagen konnte ich mein Gehtempo gut halten und auf den letzten Kilometern Richtung Grindelwald wieder etwas fahrt aufnehmen. Es ging im Schatten entlang eines Flusses und die kühle Luft hat extrem gut getan. Nach insgesamt 14 Stunden habe ich Grindelwald erreicht und machte mich zusammen mit meinen Supporter Rolf auf die letzten 9 Kilometer und ca. 1000hM hinauf zum kleinen Scheidegg. Ich entschied mich von Beginn an für einen zügigen Marsch den ich auf den letzten etwas mehr als 2 Stunden gut halten konnte. Die Zeit verging mit der Bergkulisse und dem wunderschönen Weg hinauf zur kleinen Scheidegg wie im Flug. Da nach dem Verkehrschaos nicht ganz klar war, ob es Rolf rechtzeitig nach Grindelwald schafft, war ich umso glücklicher, dass es geklappt hat die letzten Kilometer zusammen bestreiten zu können. 21:13Uhr haben wir zusammen nach 16Stunden und 13Minuten das Ziel am Fusse von Eiger, Mönch und Jungfrau erreicht.

Ich bin über glücklich das Ziel erreicht zu haben und danke meinen Supporter Rolf für seinen Einsatz im Vorfeld sowie im Wettkampf und die Begleitung bei diesem Abenteuer von den Palmen im Süden durch die schweizer Alpen. Ebenso auch Hebi, der Fränzi zum kleinen Scheidegg begleitet hat. Es war eine grosse Teamleistung, die dieses Wochenende unvergessen macht.

Jetzt heisst es ausruhen und die Eindrücke der letzen Tage zu geniessen und wirken zu lassen.

Sportliche Grüsse

Christian

 

 

 

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